Ein Bogenschütze steht auf der 18-Meter-Bahn, atmet aus, hält inne. In diesem Moment darf nichts passieren. Kein Zucken, kein schweifender Gedanke, kein Zögern. Wer Bogenschießen ernsthaft betreibt, weiß: Die technische Komponente ist nach ein paar hundert Stunden Training keine echte Hürde mehr. Was Wettkämpfe entscheidet, ist der Kopf.

Diese Beobachtung aus einem vergleichsweise nischigen Hobbysport bringt eine breitere Frage auf den Tisch, die seit der Teil-Legalisierung von Cannabis in Deutschland zunehmend offen diskutiert wird: Welchen Einfluss hat Cannabis auf kognitive Funktionen wie Aufmerksamkeit, Fokus und die Fähigkeit, äußere Störreize auszublenden? Ganz anders, aber ebenfalls alltagsnah, erklärt der Toniebox-ratgeber die Toniebox und ihren Einsatz im Familienalltag.

Was Bogenschießen mit Konzentration zu tun hat

Bogenschießen gehört zu den Sportarten, die Sportwissenschaftler gerne als „Closed-Skill-Disziplinen“ bezeichnen. Die Umgebung ist kontrollierbar, die Bewegung hochgradig standardisiert, der Gegner ist eigentlich man selbst. Ähnliches gilt für Golfspielen, Schießsport oder Kegeln. Was diese Sportarten verbindet: Leistung ist fast ausschließlich das Ergebnis mentaler Stabilität unter Druck.

Konkret bedeutet das im Bogensport: Ein durchschnittlicher Wettkampf über 70 Meter umfasst 72 Pfeile in 12 Ends. Jeder Pfeil erfordert eine identische Ausführung, konzentriert über rund 90 Minuten. Studien aus der Sportpsychologie zeigen, dass die Schussleistung bei erhöhter Herzfrequenz messbar schlechter wird, manchmal um mehrere Ringwerte pro Pfeil. Deshalb trainieren erfahrene Schützen aktiv Techniken wie Box-Breathing oder progressive Muskelentspannung, um ihr vegetatives Nervensystem zu regulieren.

Cannabinoide und das Nervensystem: Was die Forschung sagt

THC und CBD, die bekanntesten Cannabinoide der Hanfpflanze, wirken über das Endocannabinoid-System, das unter anderem an der Regulation von Stimmung, Angst und Aufmerksamkeit beteiligt ist. Hier liegt sowohl das Potenzial als auch das Problem.

THC in niedrigen Dosen kann anxiolytisch wirken, also angstlösend. Für manche Menschen bedeutet das eine subjektiv verbesserte Fokuswahrnehmung, weil soziale Anspannung oder Leistungsangst nachlassen. Gleichzeitig zeigen Studien, dass THC die geteilte Aufmerksamkeit und das Arbeitsgedächtnis beeinträchtigt. In einem Experiment der Universität Maastricht aus dem Jahr 2012 schnitten Probanden unter THC-Einfluss bei komplexen Aufmerksamkeitstests signifikant schlechter ab als nüchterne Kontrollpersonen.

CBD zeigt ein anderes Bild. Es wirkt nicht psychoaktiv, hat aber nachgewiesene anxiolytische Eigenschaften ohne die kognitiven Nebenwirkungen von THC. Für Hobbysportler, die mentale Entspannung ohne Beeinträchtigung suchen, ist das relevant.

Was Bogenschützen in der Praxis beobachten

In der Bogensport-Community, vor allem in der österreichischen und deutschen Szene, ist das Thema Cannabis kein Tabu mehr, wird aber selten offen in Vereinsräumen diskutiert. Wer sich in Foren und bei Trainingsgruppen umhört, bekommt ein differenziertes Bild. Einige Hobbysportler berichten, dass sie CBD-Öl vor dem Training verwenden, um mentale Unruhe zu reduzieren. Andere warnen ausdrücklich vor THC, da es ihre Schusssequenz destabilisiert und das präzise Timing zwischen Vollauszug und Auslösen stört.

Wer im österreichischen Bogensport tiefer einsteigen will und nach strukturierten Trainingsangeboten sucht, findet auf Plattformen wie Professionelles Bogensport Training in Österreich einen Überblick über Vereine und Kurse, die auch sportpsychologische Aspekte einbeziehen.

Ein Bogensportler aus Wien, der seit sechs Jahren trainiert und anonym bleiben möchte, beschreibt es so: „Ich habe CBD vor einem Turnier ausprobiert. Die Anspannung war weniger. Aber ob ich besser geschossen habe, kann ich nicht sagen. Die Zahlen waren ähnlich.“ Das ist ehrlicher als viele Berichte, die man online findet.

Das Konzentrations-Paradoxon

Was der Bogensport besonders deutlich macht: Fokus ist kein einheitlicher Zustand. Sportpsychologen unterscheiden mindestens zwischen selektiver Aufmerksamkeit (Irrelevantes ausblenden), anhaltender Aufmerksamkeit (Konzentration über Zeit) und der sogenannten „Quiet Eye“ Technik, einem kurzen, stabilen visuellen Fixationspunkt kurz vor der Ausführung einer Präzisionsbewegung. Diese drei Komponenten reagieren unterschiedlich auf äußere Einflüsse, inklusive psychoaktiver Substanzen.

THC beeinträchtigt nachweislich die anhaltende Aufmerksamkeit. Was manche als „Fokus“ wahrnehmen, wenn sie unter THC-Einfluss stehen, ist häufig eher eine Art Tunnelblick: Die Welt wirkt ruhiger, aber die kognitive Kapazität, mehrere Informationsströme gleichzeitig zu verarbeiten, nimmt ab. Für einen Bogenschützen, der auf seiner 18-Meter-Bahn steht und nur auf die Scheibe schauen muss, könnte das subjektiv wie eine Verbesserung wirken. In einer komplexeren Situation wäre es ein Nachteil.

Wann Cannabis die falsche Antwort ist

Es lohnt sich, die Frage umzudrehen. Wenn jemand Cannabis braucht, um sich beim Sport zu konzentrieren, liegt das Problem möglicherweise woanders. Sportpsychologen sehen in solchen Fällen häufig zugrundeliegende Ursachen:

  • Übertraining ohne ausreichende Erholungsphasen
  • Wettkampfangst, die nicht durch technisches Training adressiert wird
  • Mangelnde Routine in der mentalen Vorbereitung
  • Schlafprobleme, die die kognitive Baseline senken

Alle vier Punkte lassen sich ohne Cannabis angehen, und in den meisten Fällen nachhaltiger. Atemtechniken, Visualisierungsübungen und strukturierte Pre-Shot-Routinen sind im Leistungssport Standard, im Hobbysport aber noch immer unterrepräsentiert.

Was bleibt

Der Bogensport ist ein kleines, aber präzises Fenster in die Frage, wie Konzentration unter Druck funktioniert und wie sie sich manipulieren lässt. Cannabis ist dabei weder Wundermittel noch kategorisches No-Go. Die Wirkung hängt von der Substanz (THC oder CBD), der Dosis, dem individuellen Endocannabinoid-System und der konkreten Aufgabe ab.

Was Hobbysportler aus Randsportarten wie dem Bogenschießen dabei beisteuern können: Sie haben oft ein schärferes Bewusstsein für mentale Zustände als Menschen, die in Mannschaftssportarten unterwegs sind. Wer 300 Pfeile pro Woche schießt, merkt sehr genau, ob der Kopf mitmacht. Und wer seinen Fokus wirklich verbessern will, kommt an einer Auseinandersetzung mit Sportpsychologie nicht vorbei, egal ob mit oder ohne Cannabis.

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