Wer im Cannabis-Anbau mit Nährstoffen arbeitet, stolpert früher oder später über zwei Begriffe, die in Foren, Düngeschemata und Messgeräten ständig auftauchen: TDS und PPM. Viele Grower messen zwar brav, wissen aber nicht genau, was die Werte wirklich bedeuten – und noch wichtiger: wie man daraus praktische Entscheidungen ableitet. Genau hier passieren die typischen Fehler: zu starke Nährlösung „weil die Pflanzen Hunger haben“, zu schwache Lösung „weil die Spitzen leicht hell werden“, oder ständiges Nachkorrigieren, bis das System instabil wird. Dabei ist TDS/PPM im Cannabis-Anbau kein kompliziertes Nerd-Thema, sondern ein Werkzeug, mit dem du Kontrolle über deine Nährlösung und damit über die Entwicklung deiner Pflanzen bekommst.
In diesem Artikel klären wir, was TDS/PPM ist, wie Messgeräte arbeiten, welche Einheiten dich verwirren können, und wie du die Werte sinnvoll in Erde, Coco und Hydro einsetzt. Du bekommst außerdem praxisnahe Richtwerte, typische Fehlerbilder und ein Vorgehen, das dir hilft, stabiler zu growen – statt im Messwerte-Chaos zu landen.
Was bedeutet TDS/PPM im Cannabis-Anbau überhaupt?
TDS/PPM im Cannabis-Anbau beschreibt vereinfacht, wie „stark“ oder „salzig“ dein Wasser bzw. deine Nährlösung ist. TDS steht für „Total Dissolved Solids“, also „gesamt gelöste Stoffe“. Gemeint sind vor allem gelöste Mineralsalze – typischerweise Nährsalze aus Dünger (Stickstoff, Kalium, Calcium, Magnesium etc.), aber auch Bestandteile aus Leitungswasser wie Calciumcarbonat (Härte). PPM bedeutet „Parts Per Million“ und wird oft als Zahlenwert angezeigt, den Grower als Näherung für die Menge gelöster Stoffe nutzen.
Wichtig: Ein TDS/PPM-Messgerät erkennt nicht, welche Stoffe im Wasser sind, sondern misst die elektrische Leitfähigkeit (indirekt) und rechnet sie um. Das bedeutet: Ein hoher TDS/PPM-Wert kann von viel Dünger kommen – oder von hartem Ausgangswasser. Für den Cannabis-Anbau ist der Wert trotzdem extrem hilfreich, weil du damit reproduzierbar arbeiten kannst: Du kannst Nährlösungen wiederholbar mischen, Überdüngung früh erkennen, und bei Problemen gezielt reagieren, statt zu raten.
Praktisch gesprochen: TDS/PPM im Cannabis-Anbau ist ein Kontrollinstrument für den Salzgehalt deiner Lösung. Je nach Medium (Erde, Coco, Hydro) und Phase (Jungpflanze, Wachstum, Blüte) brauchst du andere Zielbereiche. Wer das versteht, hat deutlich weniger Stress mit verbrannten Spitzen, Nährstoffblockaden oder schwankenden Pflanzenreaktionen.
TDS, PPM und EC: Warum dein Messgerät oft „anders“ anzeigt
Viele Grower sind irritiert, weil zwei Personen über „PPM 800“ reden – aber völlig andere Stärken meinen. Der Grund: In der Praxis sind TDS/PPM-Anzeigen häufig Umrechnungen aus EC (elektrische Leitfähigkeit). EC ist der eigentliche physikalische Messwert, meist in mS/cm. PPM ist dann ein „umgerechneter“ Wert, der je nach Skala unterschiedlich ausfallen kann. Die zwei häufigsten Umrechnungsfaktoren sind:
- 500er-Skala (auch „NaCl-Skala“ genannt): PPM = EC × 500
- 700er-Skala (oft „442-Skala“ im Grow-Kontext): PPM = EC × 700
Das heißt: Eine Lösung mit EC 1,6 mS/cm entspricht entweder 800 PPM (500er) oder 1120 PPM (700er). Beide Aussagen können „richtig“ sein – nur eben auf unterschiedlichen Skalen. Genau deshalb ist es im TDS/PPM im Cannabis-Anbau so wichtig, dass du entweder konsequent mit EC arbeitest oder sicher weißt, welche PPM-Skala dein Gerät nutzt. Wenn du Werte aus Tabellen oder Düngeschemata übernimmst, musst du die Einheit vergleichen, sonst „überfütterst“ du deine Pflanzen unbemerkt.
Ein weiterer Punkt: Manche Geräte zeigen „TDS“ an, meinen aber praktisch „PPM nach Skala“. Streng genommen ist TDS eine Stoffmenge, aber im Alltag im Growroom ist es ein Näherungswert. Für dich zählt: Arbeite konsistent, dokumentiere, und vergleiche nur Werte, die auf derselben Grundlage gemessen wurden. Dann wird TDS/PPM im Cannabis-Anbau zu einem echten Steuerungsinstrument statt zu einer Quelle von Verwirrung.
Welche Rolle spielt TDS/PPM im Cannabis-Anbau je nach Substrat?
TDS/PPM im Cannabis-Anbau ist nicht in jedem Medium gleich „wichtig“ – und wird vor allem unterschiedlich interpretiert. In Hydroponik ist der Wert zentral, weil die Pflanze direkt aus der Nährlösung trinkt. In Coco ist er ebenfalls sehr relevant, weil Coco inert ist und du die Ernährung fast komplett steuerst. In Erde dagegen wirkt Pufferung: Der Boden hält Nährstoffe, Mikroorganismen arbeiten, und nicht jede Veränderung in der Gießlösung schlägt sofort auf die Pflanze durch.
In Hydro gilt: Wenn dein TDS/PPM (bzw. EC) zu hoch ist, steigt der osmotische Druck, und die Wurzeln haben Schwierigkeiten, Wasser aufzunehmen. Das kann wie „Durst“ aussehen, obwohl genug Wasser da ist. In Coco gilt zusätzlich: Salze können sich schneller im Substrat anreichern, wenn zu wenig Drain entsteht oder das Ausgangswasser schon hart ist. Hier hilft Messen, um Salzaufbau früh zu erkennen. In Erde wiederum ist die Messung eher ein „Indikator“: Du kannst mit TDS/PPM die Stärke deiner Gießlösung kontrollieren, aber Blattbild, Gießverhalten und Substratgesundheit bleiben genauso wichtig.
Das Entscheidende: TDS/PPM im Cannabis-Anbau ist immer nur ein Teil der Diagnose. Es sagt dir nicht, ob z. B. Calcium fehlt oder Kalium zu hoch ist – es sagt dir nur, wie hoch die Gesamtbelastung an gelösten Stoffen ist. Wer das im Kopf behält, nutzt TDS/PPM richtig: als Stabilitäts- und Dosierungskontrolle, nicht als „alles erklärende“ Zahl.
Richtwerte für TDS/PPM im Cannabis-Anbau nach Phase
Die Frage nach „dem perfekten Wert“ wird oft gestellt – aber seriös beantwortet man sie nur mit Kontext. Genetik, Lichtintensität, Temperatur, CO₂-Niveau, Medium und Ausgangswasser verändern die optimale Nährstoffstärke. Trotzdem helfen Richtwerte, um ein Gefühl zu entwickeln und grobe Fehler zu vermeiden. Die folgende Tabelle gibt praxisnahe Orientierungsbereiche. Entscheidend ist, dass du dich für eine Einheit entscheidest – am stabilsten ist EC. Wenn du PPM nutzt, achte auf die Skala deines Geräts.
| Phase | EC (mS/cm) – Orientierung | Hinweis zur Anwendung |
|---|---|---|
| Sämling / frisch bewurzelt | 0,3 – 0,8 | sehr vorsichtig dosieren, Ausgangswasser berücksichtigen |
| Wachstum | 0,8 – 1,6 | je nach Licht und Wachstumstempo langsam steigern |
| Frühe Blüte | 1,2 – 1,8 | Übergang ist kritisch: nicht zu hart „hochziehen“ |
| Volle Blüte | 1,6 – 2,2 | nur bei stabiler Gesundheit und starkem Licht sinnvoll |
| Späte Blüte / Reife | 1,2 – 1,8 | häufig leicht reduzieren, um Stress zu vermeiden |
Für TDS/PPM im Cannabis-Anbau heißt das praktisch: Du startest niedrig, beobachtest die Pflanze und passt schrittweise an – statt große Sprünge zu machen. Besonders hilfreich ist eine einfache Routine: gleicher Messzeitpunkt, gleiche Methode, dokumentierte Werte. So erkennst du Trends, statt auf Tagesform zu reagieren.
So misst du TDS/PPM richtig: Schritt-für-Schritt im Grow-Alltag
Viele Messfehler entstehen nicht durch „falsche Geräte“, sondern durch inkonsistente Vorgehensweisen. Damit TDS/PPM im Cannabis-Anbau aussagekräftig wird, brauchst du eine saubere Messroutine. Der Ablauf ist simpel, aber die Details machen den Unterschied.
Zuerst misst du dein Ausgangswasser. Gerade Leitungswasser kann bereits einen deutlich erhöhten Wert haben. Wenn du das ignorierst, rechnest du „Dünger-PPM“ falsch, weil du den Grundwert nie abziehst. Danach mischst du deine Nährlösung: erst Wasser, dann Basisdünger, dann Zusätze, gut umrühren, kurz stehen lassen, erneut umrühren. Dann misst du EC/PPM. Erst danach korrigierst du den pH-Wert (denn pH-Korrekturen können den Messwert minimal verändern, und umgekehrt).
Ein weiterer Profi-Ansatz im TDS/PPM im Cannabis-Anbau ist das Messen von Drain (Ablaufwasser) bei Coco/Hydro und in vielen Fällen auch in Erde. Der Vergleich zwischen Input und Drain verrät dir, ob sich Salze aufbauen. Wenn Drain deutlich höher ist als dein Input, sammeln sich Salze im Medium – ein typischer Grund für verbrannte Blattspitzen, langsames Wachstum oder plötzliches „Zicken“ in der Blüte. Ist Drain deutlich niedriger, frisst die Pflanze aktiv Nährstoffe – oder du gießt so, dass das Medium sie bindet.
Konsequent umgesetzt ergibt sich daraus ein einfaches Steuerungsprinzip:
- Input stabil halten
- Drain beobachten
- nur in kleinen Schritten verändern
So wird TDS/PPM im Cannabis-Anbau zum Kompass statt zum Glücksspiel.
Typische Probleme und was TDS/PPM im Cannabis-Anbau darüber verrät
TDS/PPM ist besonders wertvoll, wenn Symptome auftauchen und du entscheiden musst: mehr füttern, weniger füttern oder erst stabilisieren? Ein Klassiker ist „Spitzenbrand“: leicht verbrannte Blattspitzen, oft begleitet von dunklem Grün. Wenn dein TDS/PPM im Cannabis-Anbau (oder EC) in dem Moment bereits hoch ist, ist es sehr wahrscheinlich eine Überversorgung oder Salzstress. Viele Grower machen dann den Fehler, zusätzliche Zusätze zu geben, weil sie „Mangel“ vermuten – und verschlimmern das Problem.
Ein zweites Muster ist die sogenannte Nährstoffblockade. Die Pflanze zeigt Mangelerscheinungen, obwohl du eigentlich stark düngst. Das kann passieren, wenn die Salzkonzentration zu hoch wird oder pH-Wert und Mediumzustand die Aufnahme stören. In solchen Fällen kann ein moderates Absenken der Nährstoffstärke und eine Stabilisierung der Parameter hilfreicher sein als „mehr drauf“. TDS/PPM liefert dir hier eine klare Frage: Ist die Lösung bereits stark? Wenn ja, ist „noch mehr“ selten die richtige Antwort.
Auch bei weichem Wasser und sehr niedrigen Ausgangswerten kann TDS/PPM im Cannabis-Anbau helfen: Wenn Pflanzen in starkem Licht schnell wachsen, steigt der Bedarf an Calcium/Magnesium oft spürbar. Wenn du dann nur nach PPM „hochziehst“, kann das Verhältnis kippen, weil die Gesamtzahl nichts über die Zusammensetzung aussagt. Das ist der Punkt, an dem solide Basisdünger, saubere Verhältnisse und nicht zu viele „Booster“ wichtiger werden als das bloße Erreichen einer Zahl.
Praxisbeispiel: TDS/PPM im Cannabis-Anbau für eine stabile Nährlösung nutzen
Nehmen wir ein realistisches Setup: Coco, LED, 20–24 °C, mittlere bis starke Lichtintensität. Du misst dein Leitungswasser und bekommst eine moderate Ausgangsbasis. Du mischst die Nährlösung für die frühe Blüte und zielst auf einen mittleren EC-Bereich, statt direkt in „Maximalwerte“ zu gehen. Nach dem Gießen misst du den Drain. Liegt der Drain deutlich über dem Input, ist das ein Hinweis auf Salzaufbau – oft durch zu wenig Drain, zu seltenes Spülen oder zu hohe Dosis.
Was machst du nun praktisch, ohne Aktionismus? Du reduzierst den Input leicht, erhöhst den Drain-Anteil beim Gießen (damit alte Salze ausgetragen werden), und beobachtest über zwei bis drei Gießzyklen die Entwicklung. Genau so liefert TDS/PPM im Cannabis-Anbau eine datenbasierte Entscheidung: nicht „gefühlt mehr“ oder „gefühlt weniger“, sondern kontrolliert stabilisieren.
Das gleiche Prinzip funktioniert auch in Erde, nur vorsichtiger interpretiert: Wenn du stark düngst und die Pflanzen träge werden, kann eine Reduktion der Nährstoffstärke und ein sauberer Gießrhythmus mehr bringen als zusätzliche Produkte. In Hydro ist der Effekt am direktesten: Änderungen schlagen schneller durch, deshalb sind kleine Schritte und stabile Zielwerte essenziell.
Fazit: TDS/PPM im Cannabis-Anbau als Kontrollsystem statt als Rätselzahl
TDS/PPM im Cannabis-Anbau ist kein Selbstzweck und keine Zahl, die man „irgendwie treffen“ muss. Richtig eingesetzt hilft sie dir, Nährlösungen reproduzierbar zu mischen, Salzstress früh zu erkennen und deine Grow-Parameter stabil zu halten. Der größte Hebel ist dabei Konsistenz: gleiche Messroutine, gleiche Einheit (oder sichere Kenntnis der PPM-Skala), und Entscheidungen in kleinen, nachvollziehbaren Schritten. Vor allem in Coco und Hydro ist TDS/PPM ein zentraler Stabilitätsindikator; in Erde bleibt es ein wertvolles Werkzeug, solange du es im Zusammenhang mit Substratpuffer und Pflanzenbild interpretierst.
Wenn du ab heute zwei Dinge mitnimmst, dann diese: Miss zuerst dein Ausgangswasser, und vergleiche Input und Drain, um Salzaufbau zu erkennen. Damit nutzt du TDS/PPM im Cannabis-Anbau so, wie es gedacht ist: als praktisches Steuerinstrument für gesunde Pflanzen, stabile Nährstoffaufnahme und am Ende bessere Ergebnisse.

